Fotocredit: Bianca Hillinger, PG Studios Linz

„O Kapitän! Mein Kapitän! Die grause Fahrt ist aus,
Dein Schiff hielt jedes Wetter aus und trägt den Preis nach Haus.“
Walt Whitman

 

 

Nachruf auf Erich Josef Langwiesner

(1950 - 2026)


Kriegsnah

 

weinen und

arbeiten

in zeiten neuen

mordens

wo hand

schlag verträge

übereinkommen

weggebombt

wo menschen

rechte errungen

schaften leben

ausgerottet

heimstätten

geists erb

ausradiert

niedergemetzelt

unterworfene

bittsteller kampf

verzweifelte wie

krieger

alter geschichte zu

spielen

und untergang

 

(ejl. 2022)

 

 

Erich Josef Langwiesner ist im 76. Lebensjahr verstorben.

Ein großer Humanist hat am Sonntag, 31. Mai 2026, um 1 Uhr nachts für immer die Augen geschlossen.

 

Das Gedicht „kriegsnah“, verfasst im Februar 2022, als Russland die Ukraine mit Krieg überzog, steht exemplarisch für Erichs Eintreten für Menschlichkeit und Frieden. Er war stets am Puls der Zeit und ein genauer Beobachter der Welt im Großen und im Kleinen. Dabei begnügte er sich aber nicht damit, nur hinzuschauen, sondern er legte in seinem literarischen Schaffen die Finger auf die Wunden, die Menschen anderen Menschen schlagen, und benannte Unrecht präzise und gnadenlos. Ebenso war Erich ein ständiger Mahner für die Bewahrung unseres Lebensraumes, da wir nur diese eine Erde haben, und er setzte sich dafür politisch als Gemeinderat in Gmunden ein.

 

Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn mag in seinem holprigen Start ins Leben seinen Ursprung haben – 1950 in Wels geboren, verbrachte er seine ersten zwei Lebensjahre im Säuglingsheim Stadl-Paura. Erst als Karl und Crescentia Langwiesner ihn adoptierten, bekam er ein liebevolles Zuhause mit viel Nestwärme.

 

Erich Josef Langwiesner hatte ein großes Herz, in dem viel Platz für Menschen – besonders seine Lebensgefährtin Renate Perfahl – und die Kunst war. Seine große Liebe galt der Schauspielerei. Seine Eltern hatten keine Einwände gegen den Berufswunsch. Sein Vater, erzählte Erich gerne, habe ihm nur zwei Bedingungen gestellt: „Mache etwas aus dir und liege uns nicht auf der Tasche.“ Beide hat Erich erfüllt.

 

Nach seiner Ausbildung am Mozarteum in Salzburg war er auf verschiedenen Bühnen in Deutschland tätig. In Aachen gründete er das Theater „K“, in dem er regelmäßig Regie führte. Nach der Rückkehr nach Österreich heiratete er und wurde Vater eines Sohnes. Die Ehe wurde später geschieden, Sohn Julian lebt in Wien.

 

Ab 1987 war Erich 30 Jahre lang festes Ensemblemitglied am Linzer Landestheater und brillierte dabei in unzähligen Rollen – von Kaiser Franz Josef II. bis hin zu Elizas Vater Alfred P. Doolittle in „My fair Lady“. Auch in Linz war er Mitgründer eines Theaters – „M23“ – und führte dort 20 Jahre lang Regie. Seine spätere Lebensgefährtin Renate Perfahl war damals seine Assistentin.

 

Seit seiner Pensionierung war er freischaffend als Schauspieler tätig – unter anderem beim Léhar-Festival in Bad Ischl. Aber auch sein musikalisches Talent lebte er aus, und zwar beim Gmundner Kammerchor, dessen Obmann er war.

Früh unternahm Erich auch schon seine ersten schriftstellerischen Gehversuche. 1984 veröffentlichte er das Buch „Da war der Teufel los – Sagen für Kinder“. Im Jahr 2000 folgte mit „Spots: Gedichte aus 25 Jahren“, der erste Lyrikband.

 

Ab dem Jahr 2017 fand Erich im Schriftenstandverlag (damals noch Verlag Nina Roiter) seine literarische Heimat und veröffentlichte im Jahresrhythmus Bücher, in denen er mit seiner ausgefeilten und zupackenden Lyrik alle Aspekte des Lebens kommentierte, kritisierte, aber auch hin und wieder seine romantische Ader durchblitzen ließ.

 

Zuletzt veröffentlichte Erich 2025 autobiografische Prosaerzählungen mit dem Titel “Das schwarze Segel“, in denen er auf seine Kindheit in Gmunden zurückblickt. Im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten verriet er, was ihn beim Schreiben antreibt. „Es ist ein Ausleuchten von verborgenen Winkeln in mir. Auf der Bühne fühle ich mich dem Publikum verpflichtet. Beim Schreiben geht es mir nur um mich selbst. Das ist etwas ganz anderes, aber genauso schön.“

 

Als langjähriger Obmann des Linzer Autor:innenkreises setzte sich Erich Josef Langwiesner ehrenamtlich intensiv für die Mitglieder des Vereins und die Literaturszene insgesamt in Oberösterreich ein. Seine gute Vernetzung mit handelnden Personen in Stadt und Land war da sehr hilfreich.

Acht bis neun Lesungen veranstaltete der Autor:innenkreis unter Erichs Federführung jährlich – und fast immer war er mit dabei, um zu moderieren, selbst literarische Texte zu präsentieren und eine Lanze für das qualitativ hochwertige literarische Schaffen im Land zu brechen, das abseits der Scheinwerfer der sogenannten „Hochkultur“ wächst und gedeiht – für die literarischen Nahversorger sozusagen.

 

Ein so vielfältiges Engagement verdient Anerkennung.

2009 erhielt Erich die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich und 2025 das Silberne Verdienstzeichen der Stadt Gmunden.

 

Mit Erich Josef Langwiesner verliert die Kulturszene in Linz und Oberösterreich einen großen Schauspieler und Autor, vor allem aber einen Menschen, der das Herz am rechten Fleck hatte. Wir verlieren ein Vorbild und einen Freund.

Unser tiefes Mitgefühl gehört seiner Partnerin Renate Perfahl und allen Angehörigen.

 

Zuletzt sei mir auch noch eine persönliche Anmerkung erlaubt.

Unsere Gespräche hat Erich oft mit einem bekannten Zitat aus Friedrich Schillers „Die Räuber“ begonnen: „Hermann, mein Rabe.“

Lieber Erich: „Ja, ich bin‘s, Hermann, dein Rabe.“ Wir werden im Linzer Autor:innenkreis dein Andenken und die Literatur hochhalten.

 

Für den Linzer Autor:innenkreis

Hermann Knapp, Obmannstellvertreter

 

 

Das Schlusswort gehört Erich Josef Langwiesner:

 

 

a so a glick

 

 

g'storm wonnst'

schon warst

brauchadst de

gonze

bledlarei mit da

liab und vastond

mit rücksicht und dreinhaun

mit da zeit und

da ewigkeit

nimma durchs

universum

schleppen

kappaden

da schwoaze

löcher wia sülba

fischal oiss  aus

da haut und de boana aus da

söl wia ausn

hiarn ohne

schmerz und

an g'fühl

kunntst da de

gonze liagarei

und oiss ondare

daspoarn

zan ibalebn

 

(ejl, 2026)